Wer 2022 in Deutschland zur Welt kam, hat eine durchschnittliche Lebenserwartung von 80,55 Jahren. Im restlichen Westeuropa liegt die durchschnittliche Lebenserwartung dagegen mit 82,25 Jahren deutlich höher als hierzulande. Denn in puncto „langes Leben“ gehören wir zu den Schlusslichtern. Der Abstand zum restlichen Europa vergrößerte sich sogar in den vergangenen zwei Jahrzehnten stetig, wie jetzt eine Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BIB) und des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung zeigt, die die Sterblichkeitstrends über mehrere Jahrzehnte untersucht hat. Danach markiert der Beginn der Zweitausenderjahre einen Wendepunkt in der Dynamik der Sterblichkeitsentwicklung in Deutschland. Im Jahr 2000 betrug der Rückstand Deutschlands zur durchschnittlichen Lebenserwartung bei Geburt in Westeuropa rund 0,7 Jahre. Seitdem sei die Sterblichkeitslücke zwischen Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern relativ stetig gewachsen. Bis 2022 hat sich der Abstand auf 1,7 Jahre vergrößert. Zu dem wachsenden Rückstand tragen einzelne Altersgruppen in unterschiedlicher Art und Weise bei. Hauptrisiko seien laut Studie jedoch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, denn der langjährige Rückstand in der deutschen Lebenserwartung scheint sich wesentlich durch eine höhere Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen im fortgeschrittenen Erwachsenenalter bzw. Rentenalter zu erklären. Um uns also für den momentanen Alterungsprozess der Gesellschaft besser aufzustellen, besteht noch Handlungsbedarf – vor allem bei der Prävention und Früherkennung.